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Das neue Modell im Überblick

>Zusammenarbeit in kleineren, homogenen Regionen, den Kooperationsräumen
>Kleinere Einheiten für eine bedarfsorientierte, treffsichere Planung
>Aktive Rolle des Landes in Steuerung und Koordination der Kooperationsräume
>Einrichtung einer zentralen Koordinationsstelle bei der Abteilung Raumplanung und Baurecht, besserer Service für die Regionen
>In den Kooperationsräumen: bei Bedarf Einrichtung von Servicestellen zur Unterstützung kleinerer Gemeinden in der Raumplanung

Was kommt nach Vision Rheintal?

Metamorphose einer Idee

Stand: Dezember 2017

Vision Rheintal als gemeinsames Projekt des Landes Vorarlberg und der Vorarlberger Rheintalgemeinden war bis Ende 2016 befristet. Im Herbst 2015 hatte ein Prozess zur strategischen Neuausrichtung der gemeindeübergreifenden Raumplanung im Rheintal gestartet, die Ergebnisse liegen nun vor. Der den politischen Gremien unterbreitete Vorschlag lautet: Vision Rheintal ist nicht zu Ende, sie wandelt sich und tritt in eine nächste Phase - eine Phase der Umsetzung. Dabei setzt das neue Modell der Zusammenarbeit auf eine Stärkung der Regionen und eine aktive Rolle des Landes.

Kritischer Blick zurück

Für den Prozess zur strategischen Neuausrichtung wurden im Herbst 2015 dreiundzwanzig Personen zu ihrem Bild von Vision Rheintal befragt. Zielsetzung war, Aufschluss über die aktuelle Wahrnehmung und Beurteilung von Vision Rheintal zu erhalten sowie Klarheit über die Zukunft des Projektes. Interviewt wurden Bürgermeister der Rheintalgemeinden, Stadtplaner, Mitarbeiter der Abteilung Raumplanung und Baurecht der Vorarlberger Landesregierung, Fachplaner sowie Regio-Geschäftsführer. Ergänzend wurde in Regionen-Workshops mit über 100 Gemeindemandataren ein Stimmungsbild eingeholt und mögliche Zukunftsoptionen für Vision Rheintal wurden ausgelotet.

Gemischte Bilanz

Während die Grundlagenarbeiten hohe Anerkennung auch weit über Vorarlberg hinaus genießen und das Bewusstsein in den Gemeinden für regionale Planung geschärft haben, gab es Kritik bezüglich der geringen Verbindlichkeit der Planungen und der als mangelhaft empfundenen Umsetzung.

Die Bedürfnisse und Erwartungen der Gemeinden ergaben ebenfalls ein differenziertes Bild: kleine und mittlere Gemeinden wünschen sich mehr Unterstützung, wenn es um Raumplanung geht, während für größere Kommunen verstärkt soziale Themen eine zentrale Rollen spielen. Trotz aller Kritik besteht bei Land und Gemeinden ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, dass es ohne gemeinsame Zusammenarbeit und Planung in Zukunft nicht gehen wird. Diese muss aber verbindlicher sein als bisher, d.h. es bestand Konsens, dass eine Fortführung von Vision Rheintal in der bestehenden Form nicht sinnvoll und nicht gewünscht ist.

Anzumerken ist, dass die Interviewpartner äußerst unterschiedliche Vorstellungen von den Aufgaben und der Ausrichtung von Vision Rheintal hatten - Vision Rheintal fehlte eine klare Identität.

Frühjahr 2016: Workshops in den Regionen
Fokusgruppen Herbst 2016

Drängende Zukunftsthemen

Im Sommer 2016 beschäftigte sich ein siebenköpfiges Team aus Vertretern von Land, Gemeindepolitik und -verwaltung mit den zukünftigen Themen und Arbeitsschwerpunkten für gemeindeübergreifende Planungen. Diese Vorschläge wurden in verschiedenen Fokusgruppen reflektiert und ergänzt. Es zeigten sich deutliche Schwerpunkte, sogenannte "harte Nüsse", die angegangen werden müssen, weil von ihnen die Lösung vieler anderer Fragestellungen abhängt.

Das sind:

  1. Regionales räumliches Entwicklungskonzept als Antwort auf die urbanen Strukturen im Rheintal
  2. Baulandmobilisierung und Einrichtung eines Bodenfonds
  3. Leistbares Wohnen und gemeinnütziger Wohnbau
  4. Ausgleichsmechanismen zwischen den Gemeinden z. B. für interkommunale Betriebsgebiete oder bei Großansiedlungen
  5. Bewusstseinsbildung für Raumplanungsthemen in der Bevölkerung, speziell auch bei den Mitgleidern der Gemeindevertretungen und Planungsausschüsse

Starke Regionen und professionelle Strukturen

In einem letzten Schritt musste die passende Struktur zur Bearbeitung dieser Themen gefunden werden. Dazu wurde das Team um Verwaltungsexperten aus Land und Gemeinden ergänzt. Im Frühsommer 2017 wurde das neue Modell für die gemeindeübergreifende Raumplanung dem Steuerungsgremium vorgestellt. Die regionale Ebene wird gestärkt, indem sich die Gemeinden in kleinere, homogenere Einheiten zu Kooperationsräumen zusammeschließen. Hier erfolgt die Planung bedarfsgerecht und treffgenau. Grundlage der Zusammenarbeit ist ein regionales räumliches Entwicklungskonzept.

Dem Land Vorarlberg kommt die Aufgabe zu, die Kleinregionen zu koordinieren und die wichtigen Zukunftsthemen - in Abstimmung mit den Regionen - federführend zu bearbeiten. Diese Funktion der regionalen Koordination wird bei der Abteilung Raumplnaungn und Baurecht angesiedelt. Sie wird zentrale Anlaufstelle für die Regionen in Fragen der regionalen (Raum-)Planung und Zusammenarbeit und stellt die Verbindung zu anderen Abteilungen der Landesverwaltung her. zusätzlich unterstützt werden regionale Kooperationen durch eine einheitliche Förderpolitik des Landes.

Die Herausforderungen in der Raumplanung verlangen professionelle Strukturen für Planung und Verwaltung auf allen Ebenen. Neu vorgesehen sind deshalb sogenannte Servicestellen, die bei Bedarf in den Kooperationsräumen von der Region eingerichtet werden. Sie sollen kleinere Gemeinden ohne eigene Ausstattung mit Know-How und personellen Ressourcen in Raumplanungsbelangen kompetent unterstützen.

Gemeinden und Land stärker in der Pflicht

Das neue Modell nimmt Land und Gemeinden stärker in die Verantwortung. Die Gemeinden, indem sie sich regionsweise auf ein gemeinsames regionales räumliches Entwicklungskonzept verständen müssen. Das Land, indem es strategisch steurn und seine Rolle als Koordinator und Motor für Zukunftsthemen aktiv ausfüllen muss. Erreichtes wird dafür in Zukunft direkt dem Land und den Gemeinden zugeschrieben - Nichterreichtes ebenso.

Auch wenn der Name "Vision Rheintal" nicht übernommen wird, so lebt doch die Ursprungsidee der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit im neuen Modell weiter. Das Leitbild "Vision Rheintal 2006" und die bis 2016 von Vision Rheintal geleisteten Grundlagenarbeiten und Ergebnisse behalten ihre Gültigkeit und Relevanz; sie dienen als nützliche Handlungsorientierung und Ausgangsbasis für konkrete Umsetzungsprojekte in den (nun kleineren) Kooperationsräumen im Rheintal. Die Vision Rheintal tritt damit in die nächste (logische) Etappe - auf die Vision folgt die Umsetzung. Ziel ist es, die Vision nun in konkrete Umsetzungsprojekte in den Kooperationsräumen auf den Boden zu bringen.

Das neue Modell wurde am 24. Oktober 2017 in der Rheintalkonferenz beschlossen.


»Gemeindeübergreifende Planung und regionale Zusammenarbeit gewinnen zunehmend an Bedeutung. Mit dem neuen Modell sollen dafür die passenden Strukturen geschaffen werden. Das Land Vorarlberg ist darin ein aktiver Partner, der sich strategisch und in koordinierender Funktion einbringt und die Regionen auch finanziell unterstützt. Konkrete Umsetzungsprojekte setzen voraus, dass die Kooperationsräume in regionalen räumlichen Entwicklungskonzepten auch individuelle Schwerpunkte entsprechend den Herausforderungen vor Ort setzen können.«



Landesstatthalter Mag. Karlheinz Rüdisser