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Rheintalforum "Marktplatz der Kooperationen"

7. Juli 2004
AMBACH Götzis

Das erste Rheintalforum fand am 7. Juli 2004 in Götzis AMBACH statt. Es stand unter dem Motto "Marktplatz der Kooperation" und führte politische MandatarInnen aus Land und Gemeinden, Planungsfachleute und interessierte BürgerInnen zusammen.

LR Manfred Rein
LR Manfred Rein

Landesrat Manfred Rein, Gemeindeverbandspräsident Bgm. Wilfried Berchtold und der Hausherr Bgm. Werner Huber von Götzis konnten über 150 Personen beim Rheintalforum begrüßen.

Dr. Fritz Schindegger
Dr. Fritz Schindegger

In seinem Impulsreferat betonte der international bekannte Raumplanungsexperte Friedrich Schindegger die Notwendigkeit einer neuen, auf Gemeindekooperation ausgerichteten Strategie im Rheintal: "Das Rheintal als gemeinsamer Lebensraum existiert bisher politisch nicht. Ich glaube, dass derzeit eine lokale Perspektive das Denken beherrscht und dass bestehende Verflechtungen in der Wahrnehmung eigentlich unterdrückt werden. Im Bewusstsein überwiegen die politischen Konflikte auf der lokalen Ebene, manchmal dienen sie geradezu als Ausweis der eigenen Identität. Bestehende Kooperationen werden kaum thematisiert."

DI Sibylla Zech
DI Sibylla Zech

Die Raumplanerin Sibylla Zech, beauftragt mit der Projektleitung zur Vison Rheintal, zeigte Perspektiven des nun gestarteten Beteiligungsprozesses zur Entwicklung eines räumlichen Leitbildes und zur regionalen Kooperation auf: "Wir entscheiden heute durch Planen oder eben Nicht-planen,
_ob sich ein gesichtsloses Siedlungsband von Feldkirch bis Bregenz erstreckt oder das Zukunftsbild eher das einer Perlenkette ist,
_ob im unteren Rheintal ein Siedlungsring die Riedlandschaft einschnürt und weiter fragmentiert oder diese Kulturlandschaft "Central Park" der Agglomeration bleibt,
_ob die natürlichen und politischen Grenzen als Barrieren im Kopf Bestand haben oder ob wir den Rhein in die Mitte nehmen,
_ob die Siedlungsgebiete weiter auseinander driften, neue Center draußen auf der "grünen Wiese" entstehen oder die Stadt- und Ortskerne gestärkt werden, wie zB hier in Götzis durch die Kulturbühne AMBACH – mitten im Ort."

DI Martin Assmann
DI Martin Assmann

Der Projektkoordinator Martin Assmann, Raumplaner beim Amt der Vorarlberger Landesregierung, referierte zu den Zukunftsthemen zur Vision Rheintal, die nun von Fachteams bearbeitet werden sollen: sozio-kulturelle Entwicklung, Siedlung und Mobilität, Freiraum und Landschaft, Wirtschaftsstandort, Gemeinbedarfseinrichtungen und Gemeindekooperation. Die erste Arbeitsphase ist eine Bestandsanalyse, dann werden Entwicklungsziele formuliert, die dann zu einem räumlichen Leitbild konkretisiert werden.

v.l.n.r.: Berchtold, Schneider, Blum, Mohr, Herburger, Huber, Mathis
v.l.n.r.: Berchtold, Schneider, Blum, Mohr, Herburger, Huber, Mathis

In der Podiumsdiskussion (Moderation: Ulrich Herburger) diskutierten Bgm. Wilfried Berchtold (Gemeindeverband), Gertrud Blum (Regionensprecherin Frauennetzwerk Vorarlberg), Bgm. Werner Huber (amKumma), Bgm. Josef Mathis (Vorderland), Bgm. Erwin Mohr (Hofsteig) und Bgm. Werner Schneider (Rheindelta) über Erfahrungen und Chancen regionaler Zusammenarbeit. Was braucht es dazu um erfolgreich zusammenzuarbeiten? Was hindert uns daran? Was bringt Zusammenarbeit?

"Wir wissen eigentlich sehr oft, dass wir Problemlösungen optimieren würden, wenn wir in einem interkommunalen Zusammenhang, also über die Gemeindegrenzen hinaus, planen und entscheiden könnten" (BGM Wilfried Berchtold, Gemeindeverband Vorarlberg)

"Im Rheintal haben Politiker Politik für ihr Dorf gemacht. Das ist auch heute, wo die Grenzen nicht mehr sichtbar sind, im wesentlichen so geblieben. Das "Frauennetzwerk Vorarlberg" könnte ein Beispiel für die Region sein. Es agiert landesweit, berücksichtigt die Regionen und vor allem die Strukturen in den Dörfern." (Gertrud Blum, Frauennetzwerk Vorarlberg, Regionensprecherin Vorderland)

"Bei den Zweckkooperationen im "Hausgemachten" und "Kleinen" waren sich die Gemeinden meistens sehr schnell einig und haben es auch zu guten Kooperationen gebracht." (BGM Werner Schneider, Rheindelta)

"In der Region amKumma ist es gelungen, gemeindeübergreifend - also Altach, Koblach, Mäder, Götzis - gemeinsam eine Stellungnahme zum Vorarlberger Verkehrskonzept abzugeben, obwohl durchaus unterschiedliche Interessen vorliegen." (BGM Werner Huber, amKumma)

"Wir haben im Vorderland viel gemeinsam umgesetzt. Bei der Feuerwehr, der Verwaltung, der Betriebsansiedlung, Flächenwidmung, Raumplanung und Verkehrsplanung tut jeder noch selber ‚umanandrr’." (BGM Josef Mathis, Vorderland)

"Es ist weit schwieriger, bestehende Einrichtungen zusammenzuführen, als einen neuen Verband zu gründen. Derzeit haben wir zB im Land ein gutes Angebot in der Seniorenbetreuung. Aber die Bevölkerung wird älter, die Plätze werden knapper. Den Kleingemeinden kann passieren, dass ihre Senioren nicht mehr aufgenommen werden. Gegenüber gemeinsamen Lösungen gibt es viele Widerstände, gerade von den Organisationen selbst. Man hat gesagt, bei den Bürgermeistern hört das Denken an der Gemeindegrenze auf; bei manchen Einrichtungen jedoch vor der Haustür." (BGM Erwin Mohr, Hofsteig)

AUS DEM PLENUM

"Wenn man ständig an dem klebt, was jetzt realistisch erscheint, kommt keine Vision zustande."

"Man muss über den Tellerrand hinaus denken. Man darf einerseits keine Luftschlösser bauen, andererseits doch nicht so sehr an der Realität verhaftet bleiben."

"Es gibt Investoren, die hervorragende Visionen haben, zB eine Tram, die das untere Rheintal in einem großen Kreis verbindet."

"Man müsste Schulstandorte im Sinne einer Optimierung der Chancengleichheit und der Minimierung der Summe der Weglänge überdenken."

"Straßenplanungen haben dramatische Auswirkungen auf die Raumplanung. An Autobahnanschlüssen entstehen neue Zentren."

"Wir sollten das Rheintal als Rheintal sehen: Aus Schnittstellen Nahtstellen machen."

"Manchmal muss man ein "i" auf den Kopf stellen, um Visionäres zu realisieren."

Die erste Bestandsaufnahme zum Rheintalforum in Götzis zeigt bereits enge Kooperationsnetze, formelle und informelle, aber auch "weiße Flecken" auf der Landkarte der Kooperation. Der Weg zu einem gemeinsamen räumlichen Leitbild für das Rheintal knüpft an vorhandene Kooperationen an.