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Rheintalforum "ÖV-Knoten - Kristallisationspunkte der Siedlungsentwicklung"


Eine optimale Abstimmung von Siedlung & Verkehr ist im Rheintal ein zentrales Anliegen. Eine besondere Rolle spielt dabei die gezielte Entwicklung von Bahnhofsgebieten und Busknoten-punkten. Der Einladung von Vision Rheintal zu einem Forum "ÖV-Knoten - Kristallisationspunkte der Siedlungsentwicklung" folgten am 3. Juli 2009 dementsprechend über 60 Interessierte ins Vereinshaus in Rankweil.

"Das Umfeld von Bahnhöfen und Busknoten ist mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Daher ist es auch sinnvoll, diese Areale zu verdichen", betont Vision Rheintal-Projektleiter Martin Assmann. "Das heißt, Einrichtungen mit einer hohen Besucherfrequenz dort anzusiedeln, wie zum Beispiel Bibliotheken, Arztpraxen, Schulen oder Geschäfte."

Als konkreten Schritt kündigte Martin Assmann eine Studie an, die die Entwicklungspotenziale der ÖV-Knoten aufzeigen soll. Die Studie ist als zweistufiges Verfahren geplant. In einem ersten Schritt werden die Verdichtungs- und Entwicklungspotenziale der ÖV-Knoten im Rheintal eruiert. Zugleich soll analysiert werden, wie die Verichtungspotenziale in einem geeigneten organisatorischen und konzeptionellen Rahmen aktiviert werden können. Dies bildet die Grundlage für die zweite Phase. Ihr Ziel ist es, durch Masterpläne die Randbedingungen, Zielsetzung und Handlungsfelder, sowie allenfalls Vorstellungen zur zeitlichen Abwicklung abzustecken.

Konkrete Schritte

Auch an der Stärkung der S-Bahn wird derzeit gearbeitet, so Assmann. "Im Moment werden die Möglichkeiten, Erfordernisse und infrastrukturellen Voraussetzungen für eine Taktverdichtung der S-Bahn zwischen Bregenz und Feldkirch sowie für die Verbindungen in die Schweiz geprüft."

Einen Schritt weiter ist man auch in Bezug auf die Stellplatzverordnung. "Nach der Analyse erprobter Beispiele aus der Schweiz, werden nun Anwendungsmöglichkeiten in Vorarlberg sowie die Novellierung der Stellplatzverordnung geprüft", berichtet der Vision Rheintal-Projektleiter. 

Die positiven Auswirkungen der Verdichtung von ÖV-Knoten betonte der Zürcher Verkehrsplaner Hannes Müller: "Das Potenzial, mit Verdichtungen neue Attraktionsschwerpunkte und neue Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, ist enorm. Bahnhöfe treten verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Damit kann - neben der Aufwertung von vorher wenig attraktiven Gebieten - auch ein maßgeblicher Beitrag zu einer verstärkten Benützung von Bus und Bahn geleistet werden." Dieses Fazit erhält Müller aus der Analye von vier unterschiedlichen Schweizer Gemeinden, die ihre Gebiete in der Bahnhofsumgebung bereits verdichtet haben. 

Verdichtung ist ein Muss

Als ein Muss bezeichnete der Zürcher Verkehrsplaner und Professor für Infrastruktur und Mobilität an der Fakultät für Architektur der Universität Sassari in Sardinien Willi Hüsler die Verdichtung von Bahnhofsarealen und den Ausbau des Öffentlichen Verkehr. "Der Wohnflächenbedarf pro Person hat sich seit den 1960er Jahren von 25 Quadratmeter auf über 50 Quadratmeter mehr als verdoppelt", so Hüsler in seinem Vortrag. "Allein aus diesem Grund muss man Verdichtungsprozesse überall wahrnehmen, wo sie Chancen dazu bieten."

Der Dornbirner Stadtplaner Markus Aberer erläuterte anhand des Dornbirner Bahnhofs und der Haltestellen Haselstauden, Schoren und Hatlerdorf seine Erfahrungen mit der Attraktivierung und Verdichtung von Arealen in Bahnhofsnähe. "Die Nachfrage von Investoren nach Gebäuden in der Nähe der Bahnhöfe ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Zentrale Standorte können relativ leicht verkauft werden, wird uns von Bauträgern berichtet", so Aberer. In seinem Workshopt betonte der Dornbirner Stadtplaner auch die Bedeutung der direktenVerknüpfung von Bahn und Bus. "Ist die Erreichbarkeit der Bahnhöfe mit Bussen gut, braucht man deutlich weniger Stellplätze."

Sicherheit ist zentral

Starkes Gewicht auf die Sicherheit von verdichteten ÖV-Knotenpunkten legte Willi Hüsler in seinem Workshop. Er betonte, dass Menschen diese Punkte nur dann auch nutzen, wenn sie sich sicher fühlen. Hüsler: "Die Gebäude müssen Augen und Ohren haben, das heißt auch bewohnt sein." Es sei deshalb wichtig, einen bestimmten Prozentsatz der Gebäude rund um Bahnhöfe und Busknotenpuntke für Wohnungen vorzusehen. in Zürich liegte dieser Prozentsatz zwischen 60 und 80 Prozent. 

Im Anschluss an die Vorträge und Workshops gab es für die Teilnehmenden ausreichend Gelegenheit, sich mit den Referenten auszutauschen. Der Einladung gefolgt sind über 60 interessierte Männer und Frauen. Darunter auch Landes- und GemeindepolitikerInnen, Orts- und GemeindeplanerInnen sowie VerwaltungsmitarbeiterInnen und InteressensvertreterInnen von Bus und Bahn.