Rheintalforum "Mentalen Landkarten"
27. November 2004
Vereinshaus Rankweil
PROGRAMM
- Begrüßung durch LR Manfred Rein
- Impuls 1: Für die räumliche Entwicklung relevante Ereignisse im Rheintal, Vortrag Architekt Wolfgang Ritsch
- Erste Arbeitsrunde an den Plantischen
- Impuls 2: Virtueller Flug über das Rheintal, Martin Assmann (Projektkoordinator)
- Zweite Arbeitsrunde an den Plantischen
- Dritte Arbeitsrunde an den Plantischen
- Impuls 3: Literarische Reflexion zum Rheintal, Buchpräsentation v#14 Stadt-Land-Fluss durch F.P. Hammling - Vorarlberger Autorenverband
Kurzprotokoll
Das zweite Rheintalforum zur vis!on rheintal fand am 27. November 2004 in Rankweil statt. Die ehemalige Stickereihalle im Vereinshaus wurde an diesem Tag zu einer großen Planungswerkstatt. Rund 120 Personen arbeiteten an Plantischen an Orten und Gebieten, die für das Rheintal wichtig sind. Eine Präsentation zu den für die räumliche Entwicklung historisch wichtigen Ereignissen, ein virtueller Flug über das Rheintal und eine literarische Reflexion zum Rheintal gaben Impulse zum Nachdenken über das Rheintal.
Die Erfahrungen und Sichtweisen von Initiativen und Interessengruppen, von NutzerInnen und KennerInnen des Rheintals wurden an den Plantischen gesammelt und aufgezeichnet. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen hielten "ihre" besonderen Orte in vorbereiteten Karten fest: die Orte des Zusammenkommens, der Mobilität, der wirtschaftlichen Dynamik und des Konsums, Orte der Frauen und Mädchen, der Jugend, der Zugewanderten sowie der BesucherInnen und TouristInnen. Eine kritische Auseinandersetzung erfolgt zu "Unorten" (Orten des Unbehagens) und zu realen und mentalen Barrieren. Die verschiedenen Wahrnehmungen zu vorhandenen Qualitäten zeigen die Karte der besonderen Werte und die Karten der spirituelle Orte, der Freiräume und Landschaften, der Orte des Wohlfühlens und der Orte der Kultur. Einen Blick in die Vergangenheit bietet die Karte der wichtigen Ereignisse.
Die "mentalen" Landkarten, dh. die persönlichen Wahrnehmungen vom Rheintal, festgehalten auf 16 Karten, bildeten nach einem intensiven Arbeitsvormittag eine eindrucksvolle Plangalerie. Interessante Inhalte und Entwicklungen im Rheintal wurden überblickend, in kartografischen und chronologischen Skizzen sichtbar. Die Bestandsanalyse des Rheintals war zu einem gemeinsamen Erlebnis geworden.
Das Rheintal ist das Ergebnis geplanter Veränderung
Um die Zukunft planen zu können, ist es notwendig, in die Vergangenheit zu blicken, denn "jeder Teil der Rheintalebene ist das Resultat geplanter Veränderung", wie Architekt und Baukünstler Wolfgang Ritsch in seinem Vortrag betonte. Meilensteine in der Entwicklung des Rheintals waren die Rheinregulierung, der Bau der Eisenbahn, die Autobahn, die Industriestandorte und in den letzten Jahrzehnten die Revitalisierung alter Industrieareale, der Grünzonenplan zum Schutz der überörtlichen Freiflächen und die Aufgliederung der "Landeshauptstadtfunktionen" auf mehrere Städte. So befinden sich Landes- und Bundeseinrichtungen nicht nur in Bregenz, sondern auch in Dornbirn, Feldkirch und anderen Gemeinden – das Rheintal ist polyzentrisch. Die Bautypologie im Wohnungsbau spiegelt die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ereignisse wieder – von den mittelalterlichen Städten und bäuerlichen Dörfern über Arbeitersiedlungen, die Eigenheimbewegung, Südtirolersiedlungen, ausgedehnte Einfamilienhausbebauung bis hin zu kooperativen, gemeinschaftlichen Bauweisen, verdichteten Wohnformen und der Architekturqualität der weit über die Grenzen bekannten neuen Vorarlberger Baukultur.
Das Rheintal, wie wir es heute kennen, ist das Ergebnis von Planen oder auch von "Nicht-Planen", das künftige Rheintal wird das Ergebnis von dem sein, was "wir heute planen oder eben nicht-planen" folgerte die Projektleiterin zur vis!on rheintal, Sibylla Zech.
Der Blick für’s ganze Rheintal
Alltäglich nutzen wir das Rheintal im ganzen als Lebensraum – für Besuche, zum Arbeiten, in die Schule gehen, Einkaufen, Besorgungen oder Freizeitaktivitäten. Aber oft nehmen wir nur die Gemeinde oder den Ortsteil / die Fraktion, in der wir wohnen, wahr. Mit einem virtuellen Flug ließ der Projektkoordinator Martin Assmann die Planungswerkstatt kurz abheben, das Rheintal in seiner Gesamtheit und aus unterschiedlichen Perspektiven wahrnehmen. Die vis!on rheintal arbeitet mit einem neuen digitalen Geländemodell, in dem Farbluftbilder dreidimensional erfahrbar gemacht werden können. Wie mit einem Flugsimulator kann man sich per Computer über dem Rheintal bewegen und zusätzliche planerische Informationen einblenden, beispielsweise die bestehende Flächenwidmung und Schutzgebiete.
STADT LAND FLUSS
Im Rahmen der Planungswerkstatt fand eine Buchpräsentation statt. Franz Paul Hammling las aus Stadt Land Fluss, dem soeben erschienen Band V#14 des Vorarlberger Autorenverbandes. AutorInnen, KünstlerInnen und FotografInnen haben zum Rheintal gearbeitet, Prozessen nachgespürt, die sich auf der Strecke zwischen Stadt und Land im Fluss befinden. Die Gedichte, Erzählungen, Briefe, Kommentare, Aufsätze, Skizzen und Fotos reflektieren in eindinglicher Form Eindrücke und Sinneswahrnehmungen zum Lebensraum Rheintal.
Ausblick
Abzuleiten aus der Phänomenologie, wonach nur das was benannt wird, auch tatsächlich Wirklichkeit wird, ist es sehr wichtig, die im Rheintal vorhandenen Dinge zu benennen und darzustellen. Das Planungswerkstatt widmete sich der Sichtung des Vorhandenen. Die kartografisch erfassten und dokumentierten mentalen Landkarten sind wesentliche Arbeitsunterlage für die nächsten Planungsschritte. Sie fließen in die weiterführenden Überlegungen der beauftragten Fachteams ein. Im Frühjahr kommenden Jahres ist eine weitere Planungswerkstatt geplant. Dabei wird es um die Formulierung von Zielen und Strategien für die künftige Entwicklung des Rheintals gehen.


















