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"Dichte als solche ist weder gut noch schlecht"

Dr. Margrit Hugentobler, Soziologin und Leiterin der interdisziplinären Forschungsgruppe ETH Wohnforum-ETH CASE am Department Architektur der ETH Zürich, spricht am 11. März 2015 im Rahmen der diesjährigen Rheintalgespräche 2015 zum Thema "Soziale Qualitäten von Dichte".

Vision Rheintal: Welche zentralen Aspekte hat Dichte für Sie als Soziologin?

Dr. Margrit Hugentobler: Soziale Dichte ist die Einwohner- bzw. Nutzerzahl bezogen auf eine Fläche resp. auf Gebautes. Sie ist stark geprägt von der Durchmischung von Nutzungen und Funktionen, die nicht nur mit Wohnen und Arbeiten zu tun haben.

Soziale Dichte hat mit Alltagsversorgung, Freizeit- und Alltagsgestaltung zu tun - aber auch mit der sogenannten Interaktionsdichte. Für mich steht dabei die Frage im Zentrum, wie wir denn leben wollen? In guten Wohnungen, attraktiven Häusern mit lebenswerten Außenräumen, bereichernden Nachbarschaften und mit gut erreichbaren, für die Qualität der Alltagsgestaltung wichtigen Infrastrukturen.

Vision Rheintal: Was braucht es für eine qualitätsvolle Verdichtung nach innen?

Dr. Margrit Hugentobler: Ein Patentrezept für qualitätsvolle Verdichtung nach innen gibt es meines Erachtens nicht. Das ist zum einen eine Chance, weil es den Gemeinden einen großen Handlungsspielraum erschließt. Auf der anderen Seite fordert es die Gemeinden heraus, ortsangepasste Lösungen zu entwickeln. Wichtig erscheint mir bei der Gestaltung der öffentlichen Räume und der Zentren zu beginnen und die Potenziale in Zentrumsnähe besser zu nutzen, z.B vermehrt Mischnutzungen statt reiner Wohnnutzungen anzustreben. Letzteres setzt eine gewisse Dichte voraus.

Vision Rheintal: Drei  Erkenntnisse, die Sie den Zuhörenden mit Ihrem Vortrag vermitteln möchten?

Dr. Margrit Hugentobler:

  1. Soziale Dichte bringt wichtige Lebensqualitäten mit sich.
  2. Demographische Trends und Entwicklungen im Lebensstil hängen mit sozialer und baulicher Dichte zusammen.
  3. Dichte als solche ist weder gut noch schlecht. Dichte kann viele Optionen bieten – es kommt auf die Gestaltung und die Präferenzen der Menschen an.

Ich freue mich auf den Austausch mit den Teilnehmenden!

Vision Rheintal: Herzlichen Dank für das Gespräch.

 


Mi 11.03.2015, Palais Liechtenstein 2. Stock Foyer, Feldkirch

19.30 - ca. 21.30 Uhr
MARGRIT HUGENTOBLER

Soziale Qualitäten von Dichte
Dichte ist nicht gleich Dichte. Sie zeigt sich anders im städtischen wie im ländlichen Raum und muss ihre jeweils eigenen Ausdrucksweisen finden. Warum nervt Straßenlärm manchmal auf dem Land mehr als in der Stadt? Welche Kriterien schaffen Lebensqualität? Ein Versuch, der sozialen Bedeutung von Dichte anhand von Beispielen auf die Spur zu kommen.

Dr. Margrit Hugentobler, Soziologin, Leitung der interdisziplinären Forschungsgruppe ETH Wohnforum-ETH CASE am Department Architketur der ETH Zürich. Forschungsschwerpunkte: Qualitätsentwicklung im Wohnbau im Kontext einer zukunftsfähigen Stadt- und Siedlungsentwicklung sowie Wohnbedarf und -bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen.

Anmeldung für diesen Vortrag mit Margrit Hugentobler bitte bis 09.03.2015

Der Eintritt ist bei sämtlichen Rheintalgesprächen frei. Im Anschluss an die Vorträge findet jeweils ein Apéro mit der Möglichkeit zum offenen Austausch statt.

Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit dem vai - Vorarlberger Architektur Institut und dem Verein St. Galler Rheintal statt.