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Das Interview erschien auch in
branchenfrei.at
"Siedlungsentwicklung ist nicht kostenlos"
Johann Bröthaler ist Leiter des Fachbereichs Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik im Department für Raumplanung der TU Wien. Er spricht im Rahmen der diesjährigen "Rheintalgespräche 2015" über ökonomische Aspekte von Dichte.
Vision Rheintal: Was assoziieren Sie als Ökonom mit dem Begriff "Dichte"?
Ass.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Johann Bröthaler: "Dichte" ist eng mit Fragen der "fiskalischen Effizienz" der Siedlungsentwicklung verbunden: Effiziente Nutzung bestehender Infrastrukturkapazitäten, Nutzung kostenentlastender Skalenerträge, fiskalische Äquivalenz, räumliche Kongruenz oder vereinfacht geringere Ausgaben und höhere Einnahmen bei gleicher Fläche und gerechter Lastenaufteilung. Finanzwirtschaftliche Ziele sind allerdings nur eine Dimension, die mit vielfältigen Ansprüchen und Erwartungen aus unterschiedlichen Perspektiven in Einklang zu bringen sind.
Vision Rheintal: Gibt es für Sie eine "gute" und eine "schlechte" Dichte in Bezug auf die Flächenausnutzung?
Ass.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Johann Bröthaler: In Bezug auf Steuereinnahmen wird eine gute bzw. schlechte Dichte relativ eng durch Einwohnerzahl und Arbeitsplätze (Lohnsumme) bestimmt. Infrastrukturausgaben hängen demgegenüber stark von der erforderlich netzgebundenen Infrastruktur und von örtlichen Gegebenheiten ab. Eine Beurteilung hängt aber klarerweise von zahlreichen weiteren Kriterien ab, etwa Wohn- und Freiraumqualität, Verträglichkeit mit Bestand, rechtlichen Rahmenbedingungen oder funktionaler und sozialer Durchmischung.
Vision Rheintal: Welche drei Erkenntnisse wollen Sie den Zuhörenden in Ihrem Vortrag vermitteln?
Ass.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Johann Bröthaler:
- Siedlungsentwicklung ist nicht kostenlos: Die längerfristigen Wirkungen auf Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde sind bereits in frühen Phasen der strategischen Entwicklung oder operationalen Planung, zudem möglichst umfassend unter Einbeziehung von Finanzausgleichseffekten zu berücksichtigen.
- Folgekosten als unterschätzte Determinante: Laufende Ausgaben zu Betrieb und Erneuerung der Infrastruktur bzw. für zusätzliche Bedarfe an öffentlichen Dienstleistungen sind bedeutender als die häufig im Fokus stehenden einmaligen Errichtungsausgaben.
- Innenentwicklung ist günster als Außenentwicklung: Eine fiskalisch "optimale" oder "verträgliche" Dichte ist allerdings nicht nur im Kontext eines Einzelprojekts, sondern vor allem im Hinblick auf das Gesamtgefüge der Siedlungsentwicklung zu beurteilen und stark von bestehenden umgebenden Einrichtungen und deren Kapazitäten abhängig.
Ich freue mich auf den Austausch mit den Teilnehmenden!
Vision Rheintal: Herzlichen Dank für das Gespräch.
Do, 09.4.2015 statt Di 17.02.2015,
Großer Sitzungssaal Rathaus, Lustenau
19.30 - ca. 21.30 Uhr
JOHANN BRÖTHALER
Fiskalische Effizienz einer Siedlungsentwicklung nach Innen
Anmeldung für diesen Vortrag mit Johann Bröthaler bitte bis 07.04.2015
Der Eintritt ist bei sämtlichen Rheintalgesprächen frei. Im Anschluss an die Vorträge findet jeweils ein Apéro mit der Möglichkeit zum offenen Austausch statt.
Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit dem vai - Vorarlberger Architektur Institut und dem Verein St. Galler Rheintal statt.

