Weitere Informationen
Diesen und andere Beiträge aus den Gemeinden
finden Sie in unserem Magazin
"Vision konkret", Ausgabe 11,
Oktober 2015 ab den
Seiten 12/13
Weiterführende Links & Downloads
Sie sind als Gemeinde daran interessiert, sich am Sprachfördernetzwerk zu beteiligen?
Die Beratungsstelle okay. zusammen leben berät Sie gerne:
okay.zusammen leben
Projektstelle für Zuwanderung
und Integration
Dr. Simon Burtscher-Mathis
E-Mail: simon.burtscher@okay-line.at
Webseite okay.zusammen leben
Färbergasse 15/304
6850 Dornbirn
Tel.: 05572/3981 02
Sprache bedeutet alles - Auf dem Weg zur chancengerechten Gemeinde
Stand: November 2015
In Rankweil sind Menschen mit etwa 27 verschiedenen Sprachen zu Hause und werden so auch von der Gemeinde willkommen geheißen. Von Weitem grüßt das Plakat im Ort. Die Marktgemeinde Rankweil gehört mit Frastanz, Hard, Wolfurt und Nenzing zu den fünf Pionieren der Sprachförderung in Vorarlberg. Im Jahr 2011 wurde mithilfe von okay.zusammen leben mit dem Aufbau eines lokalen Sprachfördernetzwerkes begonnen.
Sprachförderung als Schlüssel/ Soziale Herkunft und die damit verbundenen sprachlichen Entwicklungsmöglichkeiten sind ein wesentlicher Faktor, wenn es um Chancen und Bildungserfolge geht. Sprachförderung ist deshalb ein Schlüssel zur Chancengerechtigkeit. Moderne, offene und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaften profitieren von gut ausgebildeten Menschen.
»Um den wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen erfolgreich zu begegnen, ist eine gut ausgebildete Bevölkerung wichtig. Nur so kann sich unsere Region weiterhin nachhaltig entwickeln. Jedes einzelne Kind zählt und soll daher eine gerechte Chance auf Bildung haben. Ziel einer chancengerechten Gemeinde ist es, allen Kindern Bedingungen zu bieten, in denen sie ihre Fähigkeiten entwickeln können, und das unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft«, meint Projektleiter Dr. Simon Burtscher-Mathis von okay.zusammen leben. »Das stärkt den sozialen Zusammenhalt und steigert die Attraktivität der Gemeinde als Wohn- und Lebensraum ebenso wie als Standort für Geschäfte und Betriebe.«
Das Vorarlberger »Netzwerk mehr Sprache« konzentriert sich auf den Bereich der frühen Sprachbildung, da die ersten Lebensjahre ein wichtiges »Fenster« für die Sprachentwicklung von Kindern darstellen. Neben dem Erlernen von Deutsch stehen auch die eigene Muttersprache und damit die Sprachenvielfalt im Fokus. Die Grundidee des Netzwerkes: eine gute und durchgängig abgestimmte Zusammenarbeit aller vor Ort beteiligten Akteure und Institutionen.

Als Entwicklungsprozess auf Gemeindeebene konzipiert
Das »Netzwerk mehr Sprache« ist als Entwicklungsprozess auf Gemeindeebene konzipiert mit dem Ziel, alle, die in einer Gemeinde mit Kindern arbeiten und zu tun haben, für eine umfassende und durchgängige Sprachförderung zu gewinnen. Das bedeutet die Einbindung des gesamten Lebensumfeldes des Kindes. Neben vorschulischen Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen werden auch Eltern, Bibliotheken, Vereine und Wirtschaft zusammengebracht. Der frühe und gute Kontakt zu den Eltern ist der Marktgemeinde Rankweil ein großes Anliegen. Ein von der Gemeinde angebotenes Geburtspaket wird von über 70 Prozent der Eltern in der Elternberatung abgeholt und enthält unter anderem den mehrsprachigen Ratgeber »Sprich mit mir und hör mir zu«. Dort erfahren die Eltern auch über die Aktivitäten des »Netzwerks mehr Sprache.« Darauf können viele weitere Aktionen aufgebaut werden. Man trifft sich in mehrsprachigen Sprachencafés, beim interkulturellen Fest am Marktplatz oder schmökert in den öffentlichen Bücherschränken am Baggersee in Paspels.

»Sprache bedeutet alles – Verständnis, Beheimatetsein, Kontakte knüpfen, zu seinem Recht kommen, seine Pflichten verstehen, weiterkommen, Freunde finden, weiterhelfen können und Hilfe finden.«
ANGELIKA MOOSBRUGGER, VIZEBÜRGERMEISTERIN MARKTGEMEINDE WOLFURT
Die Vielfalt der Sprache ist allgegenwärtig
Wolfurt erweiterte als erste Gemeinde ihre Aktivitäten auf die Volksschulen und die Mittelschule. »Die Wolfurter Schulen signalisierten von Beginn an ihr Interesse am Netzwerk und sicherten ihre Beteiligung zu. Das war neu – Wolfurt wurde damit zur ersten Gemeinde Vorarlbergs, bei der das ›Netzwerk mehr Sprache‹ für alle Kinder bis zum Ende der Pflichtschulzeit zum Tragen kommt!«, erzählt die Wolfurter Vizebürgermeisterin Angelika Moosbrugger: »Gemeinsame Schwerpunkte sind die Themen ›Sprache fördern‹ und ›Miteinander in Vielfalt‹.
«Schon jetzt gibt es Veränderungen: An allen Einrichtungen werden verschiedenste Sprachen sicht- und hörbar gemacht, die Zusammenarbeit mit den Eltern intensiviert, die Kooperationen und Übergänge zwischen Kinderbetreuung, Kindergarten und Schule vereinfacht und offener gestaltet. Daneben entwickeln interessierte Mitmenschen Projekte wie einen Sprachenpfad oder den offenen Bücherkasten. Die Vielfalt der Sprachen wird in Wolfurt allgegenwärtig! »Das ist eine gute Grundlage – auch für die neuen Herausforderungen, die aus aller Welt und mit vielen Sprachen auf uns zukommen. Denn: Sprache bedeutet alles – Verständnis, Beheimatetsein, Kontakte knüpfen, zu seinem Recht kommen, seine Pflichten verstehen, weiterkommen, Freunde finden, weiterhelfen können und Hilfe finden«, ist Angelika Moosbrugger überzeugt.

Gemeindeübergreifende Aktivitäten
Begleitend treffen sich in der »Lernplattform Netzwerk mehr Sprache« zweimal jährlich die Steuerungsgruppen aus den fünf Gemeinden, um ausgewählte Themen zu vertiefen. Ziel ist, von nationalen und internationalen Beispielen sowie der guten Praxis in den Netzwerkgemeinden zu profitieren und die Umsetzung vor Ort zu unterstützen. Vom Lesewanderpfad über den eigens entwickelten Leitfaden für Kindergärten bis zum gemeinsamen Kochbuch, das Modellprojekt findet breite Anerkennung: 2014 wurde die Initiative »Netzwerk mehr Sprache« mit dem Sonderpreis für Integration der »Intercultural Achievement Awards« des Außenministeriums ausgezeichnet. Besonders beeindruckt hat die Jury der innovative Ansatz, mit dem ein chancengerechter Zugang zu Bildung auf kommunaler Ebene gefördert wird.

