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Werner Huber
Sprecher der Region amKumma
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"Es muss nicht alles in Götzis sein"

Seit vielen Jahren besteht sie nun schon, die erfolgreiche Zusammenarbeit der vier Kummenberggemeinden Altach, Götzis, Koblach und MÀder. Mit dem Versuch, eine gemeinsame Baurechtsverwaltung zu schaffen, kam jetzt erstmals ein wenig Sand ins Kooperationsgetriebe. Wie geht man amKumma damit um?

Eigentlich war alles klar: In jeder der vier Kummenberggemeinden wurde der Beschluss gefasst, dass es eine gemeinsame Baurechtsverwaltung geben soll, der Start war fĂŒr Anfang 2013 geplant. Man freute sich auf mehr QualitĂ€t, mehr Effizienz, mehr Wirtschaftlichkeit. Bei der Standortfrage kam das Projekt dann allerdings ins Stolpern. Zur Auswahl standen zwei mögliche Standorte: das Koblacher Gemeindeamt und ein leerstehendes GeschĂ€ftslokal in Götzis. FĂŒr Götzis spricht vor allem die gute Erreichbarkeit durch die NĂ€he des GeschĂ€ftslokales zum Bahnhof, wo der ganze öffentliche Verkehr der Region zusammenlĂ€uft. FĂŒr Koblach spricht die Tatsache, dass die RĂ€umlichkeiten fix fertig sind, wĂ€hrend man in Götzis noch einiges in die Renovierung investieren mĂŒsste. 

Zu diesen sachlichen Argumenten kam aber eine ganz grundsĂ€tzliche Frage dazu: Muss immer alles in Götzis sein? "Nein", sagt Rainer Siegele, BĂŒrgermeister in MĂ€der, "wenn alles am objektiv besten Standort ist, dann ist immer alles in Götzis. Ich bin aber fĂŒr mehr Dezentralisierung. Es soll gezeigt werden, dass die drei anderen Gemeinden nicht nur ein AnhĂ€ngsel von Götzis sind, sondern gleichberechtigte Partner. Um ein solches Zeichen zu setzen, wĂŒrde sich die Baurechtsverwaltung mit ihrem relativ geringen Parteienverkehr sehr anbieten."

"Geplant ist nĂ€mlich", ergĂ€nzt Koblachs BĂŒrgermeister Fritz Maierhofer, "dass die Bauwerber ihre Unterlagen im Sinne von kurzen Wegen auch in Zukunft bei ihrer jeweiligen Gemeinde abgeben, mit einem Baurechtstourismus ist also nicht zu rechnen." Gottfried BrĂ€ndle, BĂŒrgermeister in Altach, sieht die Situation trotzdem anders: "Ich kann doch nicht eine Gemeinde aus der Standortfrage ausschließen, nur weil sie die grĂ¶ĂŸte ist. Wir alle profitieren ja auch in vieler Hinsicht von der GrĂ¶ĂŸe, die Götzis hat."

Das Ziel bleibt aufrecht, der Zeitplan nicht

Zwei Stimmen fĂŒr Götzis, zwei Stimmen fĂŒr Koblach. Damit sah man sich im Vorstand des Vereins "Region amKumma" mit einer Situation konfrontiert, die es seit der GrĂŒndung im Jahr 2005 noch nie gab: Man kam zu keinem einstimmigen Ergebnis. Die vier BĂŒrgermeister beschlossen deshalb, die Frage in die Vollversammlung des Vereins zu tragen, die aus allen politischen Vertretern aller vier Gemeinden besteht. Der Gedanke der regionalen Ausgewogenheit stieß in der Vollversammlung auf viel Zuspruch, die Abstimmung ging mit einer großen Mehrheit fĂŒr Koblach aus. Weil aber dieses Ergebnis nicht vom gesamten Vereinsvorstand mitgetragen wird, ist man genau genommen keinen Schritt weitergekommen.

Heißt das jetzt, es wird keine gemeinsame Baurechtsverwaltung amKumma geben? "Das Ziel besteht nach wie vor, da gibt es keine Frage fĂŒr mich", meint Werner Huber, BĂŒrgermeister von Götzis und Sprecher der Region amKumma, "der Zeitplan ist allerdings nicht mehr einzuhalten." "Der wesentliche Punkt", ergĂ€nzt Gottfried BrĂ€ndle, "ist fĂŒr mich gar nicht so sehr die Baurechtsverwaltung, sondern dass wir fĂŒr die Zukunft Spielregeln festlegen, wie wir mit solchen Situationen umgehen." 

Agenden abgeben?

An der Definition solcher Spielregeln wird zurzeit, unterstĂŒtzt durch einen Moderator, intensiv gearbeitet. "Was dabei herauskommt, wissen wir noch nicht genau", erlĂ€utert Rainer Siegele, "aber eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder setzen wir ausschließlich Projekte um, bei denen wir uns alle einig sind, oder die Gemeindevertretungen geben bestimmte Agenden an den Verein amKumma ab, und dann gilt das, was in der Vollversammlung beschlossen wird." Ein Weg, den man auch beim Wasserverband, beim Umweltgemeindeverband oder beim Landbus Unterland gegangen ist.

Schadet die Diskussion um den Standort der Baurechtsverwaltung nicht dem regionalen Gedanken? "Genau das wollen wir vermeiden", betont Fritz Maierhofer, "denn von der Region amKumma sind wir nach wie vor ĂŒberzeugt. Wir haben gemeinsam schon einige sehr bĂŒrgernahe und sinnvolle Projekte zustande gebracht – vom gemeinsamen Einkaufsgutschein ĂŒber den Ortsbus amKumma bis zum Jugendpark beim Mösle-Stadion, der sich zurzeit im Bau befindet." Werner Huber sieht das Ă€hnlich: "Ich habe mit meinen drei BĂŒrgermeisterkollegen in der Region ein wunderbares Auskommen. Wir legen auch alle vier Wert darauf, dass es so bleibt." "Und eigentlich", sinniert Gottfried BrĂ€ndle, "hat die ganze Diskussion ja auch eine gute Seite." Die da wĂ€re? "Wir haben als Region wieder etwas dazugelernt."