Studie "Gemeindekooperationen in der Kinderbetreuung"
Für viele - besonders kleine - Gemeinden ist es nur schwer möglich, ein qualitativ hochwertiges und umfassendes Kinderbetreuungsangebot im Alleingang zu finanzieren. Das Thema Kinderbetreuung wurde deshalb von der Rheintalkonferenz als ein Bereich definiert, bei dem eine verstärkte Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg besonders sinnvoll ist.
Auf Empfehlung der Rheintalkonferenz hat das Land Vorarlberg beim Bregenzer Büro Kairos eine Studie in Auftrag gegeben. Das Ziel dieser Studie war es, fördernde und hindernde Faktoren für Gemeindekooperationen im Bereich der Kinderbetreuung im Vorarlberger Rheintal zu identifizieren, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Die Ergebnisse dieser Studie liegen jetzt vor.
Zusammenfassung
Auf der Basis umfassender Recherchen wurde ein Interviewleitfaden entwickelt, anhand dessen neun Interviews mit 13 Bürgermeistern, GemeinderätInnen und LeiterInnen/ GeschäftsführerInnen von Kinderbetreuungseinrichtungen durchgeführt wurden. Die interviewten Personen kommen aus drei Regionen des Vorarlberger Rheintals (Vorderland, Kummenberg, Hofsteig).
Im Zuge der Interviews wurde deutlich
> dass es in Gemeinden oftmals am grundlegenden Verständnis und Bewusstsein für Kinterbetreuung mangelt.
> dass ein genereller Bedarf besteht an Richtlinien für qualitativ hochwertige Kinderbetreuungsangebote, an pädagogoischen Konzepten sowie an Aus- und Weiterbildung des Personals.
> dass ein erheblicher Bedarf besteht an Beratung und Moderation in Vernetzungs- und Kooperationsprozessen allgemein und speziell in Kinderbetreuungs-Angelegenheiten
Als fördernde Faktoren für Gemeindekooperationen im Bereich Kinderbetreuung wurden unter anderem bestehende Regionalentwicklungsprozesse, finanzielle Anreize und Bewusstseinsbildung für die Bedeutung von Kinderbetreuung genannt. Als hindernde Faktoren wurden beispielsweise das Kirchturmdenken der Gemeinden, zu wenig Stellenwert der Kinderbetreuung und mangelnde Durchlässligkeit zwischen einzelnen Einrichtungen genannt.
Aus der Vielzahl der erhobenen fördernden und hindernden Faktoren wurden vier Handlungsempfehlungen abgeleitet:
> Personelle/Strukturelle Maßnahmen: Die bessere Koordination und Begleitung von Prozessen in einer Gemeinde, vor allem aber zwischen Gemeinden.
> Fördertechnische Maßnahmen: Förderungen sollen bekannter gemacht werden und in Zukunft noch stärker darauf abzielen, die Bedingungen für das Personal von Kinderbetreuungseinrichtungen und Kindergärten einander anzunähern. Nur so kann längerfristig ein durchgängiges System mit gut funktionierenden Verbindungen entstehen.
> Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen: Modulare, offene Weiterbildungsveranstatlungen für MitarbeiterInnen aus Kinderbetreuungseinrichtungen und Kindergärten - gegebenenfalls auch für LehrerInnen - kann dazu führen, dass sich das Selbstverständnis dieser Berufsgruppen steigert, dass ein gegenseitiges Kennenlernen stattfindet und dass die jeweilige Rolle im Gesamtsystem reflektiert wird.
> Bewusstseinsbildende Maßnahmen: Die Möglichkeiten in der Kinderbetreuung, erfolgreiche Modellprojekte und bestehende Förderungen sollen z.B. über eine zentrale Infostelle bekannter gemacht werden. Vor allem aber braucht es eine Kultur der Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und ein gemeinsames Verständnis über die gesellschaftliche Bedeutung der Kinderbetreuung. Dieses Verständnis zu bilden ist ein längerfristiger Prozess, der inhaltliche Informationen und offene Auseinandersetzungen braucht.

