Michael Emmenegger

leitet seit 2007 sein eigenes Unternehmen MICHAEL EMMENEGGER – Analyse und Management von sozialen Prozessen, Zürich. Studium der Geografie, Soziologie und Geschichte, seit 1995 in
der Sozialforschung und Planung tätig, u. a. Fachstelle für Stadtentwicklung der Stadt Zürich.
www.michael-emmenegger.ch

Alle Interviews auf einen Blick

"Was von Planung übrig bleibt. Dichte: Vom konstruktiven Umgang mit Widerständen" ist Themenschwerpunkt unseres Magazins "Vision Konkret" Oktober 2015. Lesen Sie alle sieben Interviews in unserer Webausgabe. Hier als Download.

Planung neu denken.

Michael Emmenegger unterstützt Gemeinden und Städte dort, wo Interessen aufeinanderprallen, Zusammenarbeit ge­fragt ist und alle verstehen sollen, was Sache ist. Ein Gespräch über gelingende Prozesse und Grenzen.

Vision Konkret: Gibt es Ihrer Erfahrung nach allgemein gültige Strategien, um Konflikte zu vermeiden?

Michael Emmenegger:
Ganz klar nein. Beim Thema Innenverdichtung in Gemeinden und Quartieren in Städten gibt es keine allgemein gültigen Strategien. Für jedes Vorhaben werden eigene Planungsvorstellungen entwickelt. Je nachdem, wie modern oder wie aufgeschlossen die Prozesseigner sind, umso mehr achten sie auch im Vorfeld darauf, dass die Kommunikation und die Konfliktbewältigung funktioniert. Immer mehr Gemeinden machen sehr schnell die Erfahrung, dass Innenverdichtung weniger ein Planungsproblem darstellt als ein kommunikatives.

Wie kann Kommunikation in solchen Prozessen gelingen?

Diese kann dann gelingen, wenn man die Gemeindeplanung oder auch die Quartierplanung nicht nur als Bauprozess begreift und die Kommunikation nicht nur dann dazunimmt, wenn es nötig erscheint, weil man miteinander reden muss, sondern als gleichwertigen, immanenten Bestandteil in den Prozess einplant. Da bieten die bestehenden planungsrechtlichen Instrumente noch nicht so gute Handhabe. Die müssen weiterentwickelt werden. Bauliche Verdichtung im Bestand ist immer eine komplexe Angelegenheit. Da gibt es keine Abkürzung. Wenn ich vorher nicht rede, muss ich nachher reden oder vor dem Richter.

Was macht man, wenn der Konflikt da ist?

Dann muss man versuchen, zu schlichten, und dann kommen Aspekte der Mediation ins Spiel. Das ist genau die Situation, die das Bauwesen heute kennt. Ziel eines gelingenden Prozesses wäre jedoch, mit einer Vielzahl von Eigentümern und Akteuren eine Entwicklung anzustoßen, die möglichst von allen getragen wird. Es geht darum, die Dinge vor dem Konflikt gemeinsam zu regeln. Soll Innenverdichtung abgesehen von einigen Einzelbeispielen stärker Realität werden, dann muss Planung von Beginn an neu gedacht werden: Durchaus als baulicher, aber eben auch als kommunikativer Prozess, der immer auch die sozialen, ökologischen und verkehrlichen Aspekte und die persönlichen Bedingungen vor Ort berücksichtigt.

Wo stößt auch ein kommunikativer Prozess an seine Grenzen?

Die Grenzen liegen dort, wo Unvereinbarkei-ten bestehen und es nichts zu verhandeln gibt. Wenn zum Beispiel die Rahmenbedingungen so eng sind, dass keine Verhandlungsmasse besteht, oder wenn man klar sieht, dass nur eine Seite Vorteile hat. Da kann man noch so lange diskutieren, das bekommt man mit Kommunikation nicht hin. Solche Situationen erfordern in letzter Konsequenz den »Befehl von oben« oder eine Verfügung, gegen die man sich mit rechtlichen Mitteln wehren kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch!