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Sabine Volgger

Gesellschafterin und Leitung Geschäftsfeld Prozessgestaltung bei wikopreventk, Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind Strategie­ und Kommunikationsprozesse, Konflikt­management, Krisenkommunikation sowie Trainings­ und Coaching ­Aktivitäten im In­ und Ausland, Lehrtätigkeit am MCI, FH Wiener Neustadt und BOKU Wien. www.wikopreventk.com

Alle Interviews auf einen Blick

"Was von Planung übrig bleibt. Dichte: Vom konstruktiven Umgang mit Widerständen" ist Themenschwerpunkt unseres Magazins "Vision Konkret" Oktober 2015. Lesen Sie alle sieben Interviews in unserer Webausgabe. Hier als Download.

Trotz Konflikt den Dialog in der Planung führen.

Sabine Volgger leitet das Geschäftsfeld Prozessgestaltung von wikopreventk. Auch nach 15 Jahren Erfahrung mit verschiedensten Kommunikationsprozessen ist sie immer noch davon überzeugt, dass der Dialog zwischen Planenden und Interessengruppen aufrechterhalten bleiben muss.

Vision Konkret: Wie kommt es zu Konflikten?

Sabine Volgger: Auseinandersetzungen zwischen verschiedensten Interessengruppen eskalieren in der Regel immer dann, wenn eine Seite die Kommunikation abbricht. Man redet nur mehr mit Gleichgesinnten, das Verständnis für die andere Seite geht sukzessive verloren. Der Abstand zwischen den Akteuren wird dadurch immer größer. Jede Seite versucht nur, die eigene Position durch Medienarbeit, gezieltes Lobbying etc. zu stärken. Das führt oft zu unbefriedigenden Ergebnissen für eine, meist auch für alle Seiten.

Wie kann eine solche Situation aufgelöst werden?

Mit Kommunikation, Kommunikation und nochmals Kommunikation. Denn genau hier liegt der große Knackpunkt bzw. die Herausforderung: den Dialog weiter zu pflegen, obwohl man seine Ziele durch die Ziele des anderen bedroht sieht und obwohl es Widerstand gibt. Nur durch den Dialog über die verschiedenen Interessen kann man einen Kompromiss ausarbeiten, möglicherweise sogar eine konsensuale Lösung finden oder aber auch eine neue Richtung einschlagen. Nicht selten braucht es dafür Hilfe durch einen Dritten, der kein inhaltliches Ziel verfolgt, sondern nur dafür da ist, den Dialog zu unterstützen.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Falls ein Konflikt absehbar ist oder offenbar wird, bedarf es eines strukturierten Kommunikationsprozesses, in dem alle Interessen zu Wort kommen und in die weitere Planung einbezogen werden können. Einer situationsangepassten Prozessplanung geht immer eine umfassende Analyse voraus. Es gibt daher kein Patentrezept für Konfliktmanagement. Aber im Wesentlichen geht es darum, die Kommunikation zu pflegen bzw. schrittweise wieder aufzubauen, zu ermöglichen bzw. zu begleiten. Erst dann kann mit dem Aushandeln der verschiedenen Interessen begonnen werden.

Kann man dem Konflikt ausweichen?

Wer ein Projekt plant und umsetzen will, sollte sich die Ausgangssituation genau anschauen, die betroffenen Akteure und deren Interessen fruhzeitig identifizieren und sich gut überlegen, wie und wann er wen in die Planungsdiskussion einbezieht. Bei widersprüchlichen Interessen kann man dem Konflikt nie ausweichen. Man kann aber von vornherein eine Struktur bieten, die eine Bearbeitung des Konfliktes erleichtert und dazu beiträgt, dass es zu keinem Kommunikationsabbruch kommt.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!